Ein Klient berichtet: “Unsere Teammeetings starten wie immer mit einer 3-minütigen Achtsamkeitssession, dieses Mal mit einer mentalen Technik, die den Stoffwechsel umstellt auf Entspannung und Abbau von akutem Stress. Dann werden die Themen gemeinsam abgehakt, die erledigt sind, im Anschluss steigen wir in die fachlichen Punkte ein und konzentrieren uns auf die offenen To-dos. Dieses Format ist seit vielen Wochen bei uns eingeführt, denn alle im Team erleben, wie effektiv es ist. Die kurze Achtsamkeitssession zu Beginn und das gemeinsame Anhaken fördern nicht nur das persönliche Umschalten zwischen verschiedenen Terminen und damit das Wohlbefinden. Es fördert auch die Konzentration sowie die Qualität der Kommunikation und der Ergebnisse. Niemand will mehr auf diese Rituale verzichten. Das war allerdings nicht immer so. Meine Kolleg*innen und ich waren anfangs sehr kritisch, als es um die Einführung der Achtsamkeitssession ging. „So eine Zeitverschwendung“ oder „dieser Esotherik-Humbug“ waren in der Einführungsphase häufig gefallene Sätze. Erst kam meine Führungskraft nach einem Training „Gesunde Führung“ damit an. Die meisten im Team einschließlich mir hatten schon so etwas erwartet, denn immer nach Seminaren gibt es ein paar gute Ideen, die sich aber dann im Sande verlaufen. Als zusätzlich eine meiner Kolleginnen zum Mental Health Ambassador qualifiziert wurde, kam erneut Schwung in das Thema mentale Gesundheit. Sie stellte sich mit ihrer neuen zusätzlichen Funktion im Team vor, informierte kurz und knapp über verschiedene nützliche Rituale zur psychischen Stabilität und lud zum Ausprobieren ein. Die Skepsis von mir und den Kolleg*innen schwand und inzwischen ist dieser Ablauf gut etabliert.“ So der Alltag eines Teams in einem IT-Unternehmen.

Das ist eines der vielen konkreten Beispiele wie Unternehmen von Mental Health Ambassadors profitieren. Wozu braucht die Arbeitswelt dieses Programm?

Stimmen werden laut, dass es in Unternehmen ein Konzept ähnlich dem der „Ersthelfer“ bei körperlichen Beschwerden und Verletzungen auch für die psychische Gesundheit geben sollte. Aber gerade bei diesem Thema wird der Wert der Prävention schnell sichtbar. Psychische Gesundheit wird durch viele kleine Rituale im Alltag erhalten. Wenn diese wegfallen, weil „keine Zeit ist“ oder weil man die Bedeutung nicht verstanden hat, ist das Risiko der Überlastung groß. Und der Aufwand von einer Überlastung wieder in eine positive Balance zu kommen, ist im Vergleich zu den präventiven Maßnahmen gigantisch. Für Mental Health Ambassadors und die zweite Qualifizierungsstufe die Mental Health Navigators (wie auch für Führungskräfte) gilt gleichermaßen: „Nur wer sich selbst gesund führen kann, kann andere darin unterstützen“. Dieses altbekannte Prinzip hat auch hier Gültigkeit. Es gilt, die eigene körperliche und mentale Stabilität zu erhalten, für das persönliche Wohlergehen zu sorgen und die eigene Balance wiederherzustellen, bevor die Schieflage zum Normalzustand wird.

Mental Health Ambassadors erhalten im Training Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie kann ich aktive Pausen, Achtsamkeitsrituale oder andere Rituale in meinen persönlichen Alltag integrieren und wie kann ich als Ambassador diese in den Unternehmensalltag möglichst einfach und effektiv einführen.
  • Welche persönlichen Rituale für mehr Selbstwirksamkeit, z.B. das Häkchenprinzip, kann ich für mich nutzen? Wie sieht die Fülle der möglichen Rituale und Techniken aus und wie kann ich diese als Ambassador dann auch in den Alltag von Teams integrieren.
  • Wie kann ich für mich in besonderen Situationen sicherer werden und wie kann ich diese mentalen Techniken auch für meine Kolleg*innen bereitstellen.

Das Training erfolgt online in Lern-Einheiten mit insgesamt 8 Stunden zur persönlichen mentalen Stärke und Stressstabilität ergänzt durch psychologisches Hintergrundwissen.

Die zweite Stufe der Qualifizierung mit weiteren Modulen zur Bearbeitung von Fallbeispielen mit insgesamt 8 Stunden nützen die meisten Mental Health Ambassadors: Sie werden Mental Health Navigators.

Was genau ist die Verantwortung der Mental Health Navigators und was nicht?

  • Präventiv mentale Stärke fördern: Mental Health Navigators unterstützen eine offene Kultur, in der mentale Stärke thematisiert wird. Tabus werden nach und nach abgebaut. Passend zur Unternehmenskultur nutzen sie Formate wie z.B. »coffee & soul« zu dem sie Kolleg*innen einladen. Bei einem informellen Treffen werden Anforderungen an mentale Stärke diskutiert, Techniken z.B. Achtsamkeitsübungen ausprobiert, besondere Arbeitssituationen, wie z.B. strategisch wichtige Verhandlungen mit Kunden mental begleitet.

  • Kolleg*innen vor Überbelastung schützen: Mögliche Signale von Überbelastung zu erkennen und dann zu wissen, was zu tun ist, ist Führungsverantwortung von Manager*innen aber auch die der Mental Health Navigators. Als Vertrauenspersonen werden sie von Kolleg*innen angesprochen oder wissen, wie sie Kolleg*innen angemessen ansprechen. In Abstimmung mit der Personalbetreuung können sie ggf. an Expert*innen weitervermitteln.
  • Systeme des Unternehmens nutzen: Mental Health Navigators wissen, welche möglichen Angebote hilfreich für die mentale Stärke sein können oder welche Expert*innen, über die Kolleg*innen von HR erreichbar, unterstützen können. Sie ermöglichen barrierefreie Zugänge zu Fachleuten, wenn nötig.

Was liegt außerhalb der Verantwortung der Mental Health Ambassadors und Navigators? Sie stellen keine Diagnosen, sie geben keine Tipps und Ratschläge. Sie werden nicht therapeutisch tätig. Sie sind Ansprechpartner, Botschafter und Lotsen in einer sich veränderten Kultur, in der körperliche und psychische Gesundheit systemrelevant ist. Wir begreifen aktuell, dass dies unsere Arbeitswelt dringend braucht.